Frankreichfahrt 2026

Lille, Lens und Arras

Vom 18. bis zum 21. Mai 2026 begaben sich Schülerinnen und Schüler der EF und Q1 gemeinsam mit Frau Poppendieck und Frau Hausschild auf eine viertägige Frankreichfahrt in die Region Hauts-de-France. Unser Ziel waren die Städte Lille, Lens und Arras. Neben dem Kennenlernen der französischen Kultur und Geschichte stand vor allem der Austausch mit französischen Schülerinnen und Schülern im Mittelpunkt. Die Fahrt bot uns die Möglichkeit, unsere Sprachkenntnisse anzuwenden, neue Menschen kennenzulernen und einen authentischen Einblick in das Leben und den Schulalltag unseres Nachbarlandes zu erhalten. Dabei sammelten wir zahlreiche Eindrücke, die weit über den klassischen Unterricht hinausgingen.

Montag, 18. Mai – Ankommen, Geschichte und Großstadtflair

Der erste Tag begann für viele von uns bereits um 5 Uhr morgens. Nachdem die letzten Sachen hektisch in die Koffer gepackt worden waren, trafen wir uns um 6:30 Uhr am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Zwar ließ unser Bus zunächst auf sich warten, doch gegen 7:40 Uhr begann schließlich unsere Reise Richtung Frankreich.

Gegen 12:30 Uhr erreichten wir schließlich Lille. Typisch nordfranzösisch wurden wir zunächst von Regen begrüßt. Mit unserem Gepäck machten wir uns auf den Weg durch die Stadt zur Maison Natale Charles de Gaulle, dem Geburtshaus des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle, der 1890 in Lille geboren wurde und später eine entscheidende Rolle im Zweiten Weltkrieg sowie beim Aufbau der Fünften Französischen Republik spielte.

Vor dem Besuch stärkten wir uns bei einem kleinen Picknick in der Altstadt. Dabei erhielten wir einen Vortrag über die Geschichte Lilles. Besonders spannend war die Bedeutung der Stadt als wichtiger Handelsstandort zwischen Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Noch heute spiegeln viele Gebäude diesen historischen Wohlstand wider.

Während der anschließenden Führung durch das Geburtshaus Charles de Gaulles tauchten wir in das Leben einer wohlhabenden nordfranzösischen Familie des späten 19. Jahrhunderts ein. Die zahlreichen Vorzimmer und Wohnbereiche verdeutlichten, wie stark die damalige Gesellschaft durch soziale Strukturen und Familienhierarchien geprägt war. Besonders interessant war zu sehen, wie Architektur und Wohnräume die Beziehungen innerhalb einer Familie widerspiegelten.

Nach dem Einchecken im „The People Hostel“ stand uns der restliche Nachmittag zur freien Verfügung. Wir erkundeten die Altstadt, bestaunten die prachtvolle Opéra de Lille, den Place du Théâtre sowie zahlreiche historische Gebäude. Einige nutzten die Gelegenheit zum Shoppen im modernen Einkaufszentrum Euralille, während andere lieber durch die verwinkelten Straßen der Altstadt schlenderten. Den Abend ließen wir gemeinsam in einer traditionellen Crêperie ausklingen. In einem gemütlichen Kellergewölbe genossen wir authentische französische Crêpes und ließen die ersten Eindrücke der Reise auf uns wirken. Nach einem langen Tag fielen wir schließlich erschöpft, aber zufrieden ins Bett.

Dienstag, 19. Mai – Einblick in den französischen Schulalltag

Der Morgen begann mit einem typisch französischen Frühstück: Croissants, pain au chocolat und Orangensaft. Besonders festlich wurde die Stimmung durch den 18. Geburtstag einer Mitschülerin, der natürlich prächtig gefeiert wurde.

Nach dem Auschecken machten wir uns auf den Weg nach Lens, wo wir am Lycée Auguste Béhal empfangen wurden. Die Schule bietet neben klassischen Unterrichtsfächern auch Spezialisierungen an, die es in Deutschland oft nicht gibt, beispielsweise Wirtschafts- und Managementwissenschaften oder technische Ausbildungszweige mit engem Praxisbezug.

Zu Beginn konnten wir verschiedene Unterrichtsstunden auswählen, die wir besuchen wollten. Anschließend lernten wir unsere französischen Austauschpartnerinnen und Austauschpartner bei einem Kennenlernspiel näher kennen. Durch Fragen auf Deutsch und Französisch entstanden schnell lustige Gespräche, viele Missverständnisse sorgten für Gelächter und erste Hemmungen verschwanden erstaunlich schnell.

Der anschließende Unterricht sorgte bei vielen von uns für einen regelrechten Kulturschock. Das französische Schulsystem unterscheidet sich in einigen Punkten deutlich vom deutschen. So spielen mündliche Mitarbeit und sogenannte „Sonstige Leistungen“ eine wesentlich geringere Rolle bei der Notengebung. Stattdessen werden schriftliche Leistungen stärker gewichtet. Viele von uns empfanden den Unterricht deshalb als ungewohnter und teilweise weniger strukturiert. Auch das Niveau des Fremdsprachenunterrichts überraschte uns, da wir teilweise andere Erwartungen gehabt hatten. Dennoch war es äußerst interessant zu beobachten, wie unterschiedlich Bildungssysteme funktionieren können. Beim Mittagessen in der Kantine lernten wir außerdem einen Teil der französischen Esskultur kennen. Traditionell besteht ein französisches Mittagessen aus mehreren Gängen, darunter Vorspeise, Hauptgericht, Käse und Dessert. Auch wenn die Schulkantine diese Tradition vereinfacht umsetzt, wurde deutlich, welchen Stellenwert gemeinsames Essen in Frankreich besitzt.

Am Nachmittag bezogen wir schließlich unser gemeinsames Appartment. Dort erwartete uns ein großer Schlafsaal sowie eine Gemeinschaftsküche, die schnell zum Mittelpunkt unseres Zusammenlebens wurde. Gemeinsam planten wir mit unserem Budget die Mahlzeiten der kommenden Tage, erstellten Einkaufslisten und verteilten Aufgaben.

Anschließend erkundeten wir bei einer Stadtführung Arras. Besonders beeindruckend waren der Grand Place mit seinen prachtvollen flämischen Fassaden, der Place des Héros mit seinem berühmten Belfried, die Kathedrale Notre-Dame-et-Saint-Vaast, die ehemalige Abtei Saint-Vaast sowie die unterirdischen Gänge der „Boves . Danach führte uns unser Weg zu Monoprix, einer in Frankreich sehr bekannten Supermarktkette, die sich am ehesten mit einer Mischung aus Rewe, Galeria und dm vergleichen lässt. Zwischen französischen Produktnamen, unbekannten Verpackungen und einigen Übersetzungsschwierigkeiten wurde der Einkauf fast schon zu einer eigenen Herausforderung. Trotzdem schafften wir es, alles Nötige zu besorgen.

Am Abend stand gemeinsames Kochen auf dem Programm. Es gab Nudeln sowie ein Dessert. Das Ergebnis konnte sich definitiv sehen lassen – großes Lob an alle Beteiligten.

Mittwoch, 20. Mai – Geschichte zum Anfassen und deutsch-französischer Austausch

Nach einem entspannten Frühstück machten wir uns erneut auf den Weg zur Schule. Dort konnten wir unsere Austauschpartner noch besser kennenlernen. Bei gemeinsamen Spielen, Gesprächen und kleinen Aktivitäten entstanden viele interessante Begegnungen. Anschließend durften wir an einer Konferenz teilnehmen, bei der Vertreterinnen und Vertreter aus Deutschland und Frankreich über die Zusammenarbeit im Bildungsbereich sprachen. Wir wurden mit einem Bus hingebracht und beteiligt waren unter anderem der Bürgermeister von Lille, als auch die Bildungsministerin Nordrhein-Westfalens. Dabei ging es insbesondere darum, den Schüleraustausch zwischen Nordrhein-Westfalen und der französischen Region Hauts-de-France weiter auszubauen, den Fremdsprachenerwerb zu fördern und junge Menschen stärker für europäische Zusammenarbeit zu begeistern.

Ein besonderer Höhepunkt des Tages war der Besuch der Carrière Wellington in Arras. Während einer eindrucksvollen Führung durch die etwa 20 Meter tief gelegenen Tunnel erfuhren wir mehr über die Schlacht von Arras im Jahr 1917. Die unterirdischen Gänge wurden damals von neuseeländischen Tunnelbauern erweitert und dienten dazu, Tausende alliierte Soldaten unbemerkt direkt unter die deutschen Linien zu bringen. Der Überraschungsangriff galt als militärisch äußerst erfolgreich. Besonders bewegend waren die originalen Inschriften, Zeichnungen und Gegenstände, die bis heute an den Wänden erhalten geblieben sind. Durch die spannende Erzählweise der Führung fühlte es sich beinahe so an, als würde man die Ereignisse Schritt für Schritt selbst miterleben.

Gemeinsam mit unseren französischen Austauschpartnern besuchten wir anschließend die Zitadelle von Arras. Dort kamen wir erneut ins Gespräch und diskutierten über Unterschiede zwischen dem deutschen und französischen Schulsystem, die Oberstufe und die jeweiligen Abiturprüfungen. Dabei wurde viel gelacht, diskutiert und voneinander gelernt. Umso schwerer fiel schließlich der Abschied. Obwohl wir uns nur kurze Zeit kannten, hatten sich bereits viele schöne Begegnungen ergeben. Die gemeinsamen Erfahrungen zeigten uns, wie wertvoll interkultureller Austausch sein kann.

Zurück im Apartment wartete bereits die nächste Aufgabe auf uns: das Abendessen. Gemeinsam bereiteten wir Pizza und ein Dessert zu und ließen den letzten gemeinsamen Abend entspannt ausklingen.

Donnerstag, 21. Mai – Abschied von Lille

Am letzten Morgen waren die Koffer bereits gepackt, bevor wir gemeinsam frühstückten. Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Vor der Abreise blieb noch etwas Zeit, um durch die Innenstadt zu schlendern, Souvenirs zu kaufen oder französische Spezialitäten wie Macarons zu probieren. Nach unserer Rückkehr nach Lille konnten wir unser Gepäck in Schließfächern verstauen und die letzten Stunden frei nutzen. Einige gingen erneut shoppen, andere erkundeten noch einmal die Altstadt oder besorgten letzte Mitbringsel für Familie und Freunde.

Bei bestem Wetter trafen wir uns anschließend zu einem gemeinsamen Picknick an der Zitadelle von Lille. Die weitläufigen Grünflächen, die Kanäle und die ruhige Atmosphäre bildeten einen perfekten Abschluss unserer Reise. Während wir die Sonne genossen, wurde vielen von uns bewusst, wie schnell die vergangenen Tage vergangen waren.

Gegen 17:15 Uhr kam schließlich unser FlixBus an. Langsam hieß es Abschied nehmen. Während der Rückfahrt blickten wir auf zahlreiche gemeinsame Erlebnisse zurück. Gegen 22 Uhr erreichten wir Düsseldorf, kurz darauf Duisburg – und damit endete eine Fahrt, die uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Vier Tage mögen auf dem Papier nicht besonders lang erscheinen. Doch die Erfahrungen, Begegnungen und Eindrücke, die wir während dieser Zeit sammeln konnten, werden uns noch lange begleiten. Wir haben nicht nur unsere Sprachkenntnisse erweitert, sondern auch gelernt, andere Perspektiven kennenzulernen, kulturelle Unterschiede zu verstehen und über den eigenen Alltag hinauszublicken. Solche Chancen sollte man nutzen, denn sie ermöglichen Erfahrungen, die kein Schulbuch vermitteln kann. Die Frankreichfahrt hat uns gezeigt, wie bereichernd europäischer Austausch sein kann und wie viel man voneinander lernen kann, wenn man offen auf andere Menschen zugeht.

Abschließend möchten wir uns herzlich bei Frau Poppendieck und  Frau Hausschild bedanken. Die Organisation einer solchen Fahrt erfordert viel Zeit, Geduld und Engagement. Danke für die Planung, die Begleitung und die Möglichkeit, diese besonderen Tage erleben zu dürfen – auch wenn wir es Ihnen nicht immer leicht gemacht haben. Diese Fahrt wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.

„Les voyages forment la jeunesse.“ – Reisen bildet die Jugend.

Wir bedanken uns herzlich!

Sara Jaouhari Hilal
Chiara Kühnert
Ilayda Polat
Jadon Winkel
Julina Schmidt
Eftalya Cinar
Azra Saglam
Salsabil Grissa
Mahtab Olk
Nisa Alacan
Rania Wienhusen
Lilly Reiners

 

 

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